Forschungsschwerpunkte
Die Katholisch-Theologische Fakultät engagiert sich in folgenden Forschungsschwerpunkten: Multidisziplinäre Religionsforschung, Katholizität und Theologie in den Diskursen der Gegenwart und Ethische Herausforderungen in globaler Gesellschaft.
Multidisziplinäre Religionsforschung
Die Religionsforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät ist multidisziplinär ausgerichtet. Im Rahmen von „Religion and Transformation“ werden in enger Kooperation mit anderen Fakultäten religionsbezogene Forschungsaktivitäten der Universität Wien gebündelt, international sichtbar gemacht und in ihrer gesellschaftlichen Relevanz gestärkt. Die Fakultät leistet mit ihrer disziplinären Vielfalt – Katholische Theologie, Orthodoxe Theologie, Islamische Theologie, Religionswissenschaft, Religionsphilosophie, Ästhetik, Ethik, Religionsrecht und Religionsgeschichte – einen wesentlichen Beitrag dazu.
Untersucht wird, wie Religionen Narrative, Sinn- und Lebenshorizonte, Werte, Ästhetik und Institutionen prägen und zugleich durch gesellschaftliche Transformationsprozesse verändert werden. Im Fokus stehen Religionen in Österreich und Wien sowie ihre Reaktionen auf globale Herausforderungen wie Traditions- und Identitätsverlust, die Diversität religiöser und nichtreligiöser Sinnangebote, ökologische Krisen, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, soziale Ungleichheit und die Infragestellung der liberalen Demokratie.
Weitere Forschungsschwerpunkte bilden die Transformation der Gottesfrage und religiöser Motive in Kunst, Literatur und religiöser Praxis, die Transformation christlichen und islamischen Selbstverständnisses, der jüdisch-christliche Dialog, religiöse Gegenwartskulturen im Kontext von Migration und Bildung sowie die Hermeneutik religiöser Texte und Praktiken in ihren normativen, ethischen, ästhetischen und juridischen Dimensionen.
Katholizität und Theologie in den Diskursen der Gegenwart
Die Katholische Kirche ist weltweit die größte institutionalisierte Religionsgemeinschaft. Dies spiegelt sich an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien wider, an der Studierende und Lehrende aus allen Kontinenten tätig sind. Die Fakultät bildet zahlreiche zukünftige Entscheidungsträgerinnen im globalen Süden sowie Lehramtsstudierende und pastorale Mitarbeiterinnen aus.
In der Vielfalt ihrer Disziplinen erschließt die Fakultät die Grundlagen der global wirksamen Katholizität. Im Mittelpunkt stehen die Gottesfrage, die hermeneutische Aneignung biblischer Texte und theologischer Traditionen sowie die kritische Reflexion des Einflusses von Katholizität auf Gesellschaft und Politik. Untersucht werden deren biblische, historische, theologische, philosophische, liturgische und rechtliche Grundlagen ebenso wie ihre ästhetischen, rituellen, institutionellen und praxisbezogenen Konkretisierungen im Spannungsfeld von Moderne, Autonomie, Frieden und Gerechtigkeit.
Der Forschungsschwerpunkt prägt Forschung und Lehre der Fakultät und fördert interdisziplinäre sowie fakultätenübergreifende Dialoge und ökumenische Perspektiven. Ein besonderes Profil bildet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Ostkirchen. Die langjährige Expertise umfasst die gesamte Ostkirchenkunde, insbesondere die katholischen Ostkirchen sowie orthodox-theologische und liturgische Traditionen. Mit dem Bachelor- und Masterstudiengang Orthodoxe Religionspädagogik verfügt die Fakultät über ein in Westeuropa einzigartiges Studienangebot, das die interkonfessionelle Verständigung in Österreich und Europa stärkt.
Ethische Herausforderungen in globaler Gesellschaft
Die Forscherinnen der Fakultät befassen sich mit einer Vielzahl ethischer Fragestellungen. Im Fokus stehen der Beitrag des Christentums und anderer Religionen zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie die dafür erforderlichen Transformationsprozesse. In der Bioethik pflegt die Fakultät internationale Kooperationen mit Partnerinnen aus nahezu allen europäischen Ländern und trägt zur medizinethischen Bildung von Studierenden aller Fakultäten bei. Auf der Grundlage eines christlichen und humanistischen Menschenbildes untersucht sie Fragen der Gesundheitsversorgung sowie technisch-ethische Herausforderungen wie Künstliche Intelligenz, Robotik und moderne Technologien in Medizin und Medien.
Weitere Forschungsschwerpunkte sind Migration, Armut, politische Ethik, Geschlechterforschung, globale Gerechtigkeit sowie die Grundlagenforschung zu einer interkulturellen theologischen Ethik. Seit 1990 ist die Fakultät Teil der European Values Study Group und hat sich als international anerkannter Standort interdisziplinärer Werteforschung etabliert, der empirische und hermeneutische Disziplinen verbindet.
Auf Basis einer philosophisch und theologisch fundierten Anthropologie leistet der Schwerpunkt Ethik mit philosophischen, sozial- und religionswissenschaftlichen, sozialethischen und theologisch-ethischen Kompetenzen einen wesentlichen Beitrag zur wissenschaftlichen Reflexion gesellschaftlicher Herausforderungen. Dabei verbindet die Fakultät interdisziplinäre Perspektiven mit einem Verständnis von Personwürde, Menschenrechten und demokratischem Zusammenleben, um nachhaltige Lösungen für ethische Fragestellungen zu entwickeln.