Monday 21. May 2012
Katholisch-Theologische Fakultät
Institut für Historische Theologie

 

LEITBILD

 

 

 

Grundsätze


Forschung

Lehre

 

 

 

Grundsätze

 

Mit dem Begriff „Spiritualität“ kommt ein Grundzug des christlichen Lebens zur Sprache: eine existentiell-personale Grundhaltung und deren Realisierung in kulturell-historischen Kontexten, die in einer „Theologie der Spiritualität“ methodisch bedacht werden. Schnittpunkte methodischer und inhaltlicher Art ergeben sich insbesondere mit der Dogmatischen Theologie, der Moraltheologie, der praktischen Theologie, den Geschichtswissenschaften, der Psychologie und der philosophischen Anthropologie.

Die aktuelle Herausforderung einer „Theologie der Spiritualität“ ist die kreative Auslegung des „kulturellen Gedächtnisses“ des christlichen Glaubens unter der Perspektive der Moderne, um so den Beitrag des Christentums für Kultur und Gesellschaft offen zu legen. Die Theologie der Spiritualität kann gerade dadurch einen Beitrag für die Frage der europäischen Integration, der Ökumene, des interkulturellen und interreligiösen Dialogs leisten, indem sie solche Problemstellungen nicht vorschnell integrativ, sondern sorgfältig analysierend und sachbezogen-kritisch in den Blick nimmt.

 

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Forschung

 

Methodische Forschung: "Wiener Konzept" der Theologie der Spiritualität

 

Der Theologie der Spiritualität obliegt in einer besonderen Weise die methodologische Forschung. Weil Institute oder Lehrstühle für Spiritualität im deutschen Sprachraum bisher die Ausnahme geblieben sind, hat das Fach eine Vorbildfunktion inne. Um hinkünftig die Methodik einer „Theologie der Spiritualität“ zu profilieren, sollen die Schlüsselbegriffe, Methoden und Konzepte des aktuellen Diskurses ausgewertet und weiterentwickelt werden. Orientierung dazu geben unter anderem die grundlegenden Forschungen von em. Univ.-Prof. Dr. Josef Weismayer. Ziel ist die Ausarbeitung eines „Wiener Konzepts“ für einen Grundkurs der Theologie der Spiritualität, der auch für andere europäische Universitäten paradigmatisch sein könnte.

 

Grundlagenforschung: Europäische Kultur aus ihrer christlichen Spiritualität heraus verstehen:


Das moderne Europa verfügt über ein mehr als 1500-jähriges kulturelles Gedächtnis, zu dem von jeher Spiritualität (Frömmigkeit, Mystik, religiöse Praxis) gehört. Obgleich die Bedeutung der christlichen Spiritualität für europäische Grundwerte, Leitideen und -begriffe wie Toleranz, Menschenwürde, Personalität etc. allgemein anerkannt ist, bleibt die Erschließung, Auswertung und Aktualisierung wichtiger Quellen der Spiritualitätsgeschichte weiterhin Desiderat. Eine Hauptaufgabe wird es daher sein unterschiedliche Quellen durch die Veröffentlichung von Monographien, Einzelbeiträgen und WWW-Angebote allgemein zugänglich zu machen und Dissertationen, Diplomarbeiten, Ausstellungen etc. anzuregen, durchzuführen, zu fördern und zu begleiten. Schwerpunkte der Arbeit bilden:


• „Corpus Eucharisticum“: Sammlung von Texten, ggf. Übersetzung ins Deutsche, und Zeugnissen (bildende Kunst, Architektur, Musik …) über das Sakrament der Eucharistie von der frühen Väterzeit bis ins 20. Jahrhundert
• „Religiöse Erfahrung in der modernen Literatur“: In den Texten von Autoren wie Rainer Maria Rilke, Botho Strauß, Simone Weil etc., werden Totalitäts-, Sinn- oder Präsenzerfahrungen beschrieben, die zwar gängige Kategorien christlicher Spiritualität scheinbar überschreiten, aber dennoch als „religiös“ gelten können.
• „Catena aurea“ deutsch: Kommentare der Kirchenväter zu den Evangelien (http://www.catena-aurea.de) Abschluss mit Druckausgabe aller Beiträge im Frühjahr 2005); Fortführung mit einem Psalmenkommentar aus klassischen Texten (Vorarbeit: französische Ausgabe in 3 Bänden)
• Mystik und Spiritualität „in der Welt“: Mindestens seit dem Spätmittelalter lässt sich eine wachsende Sensibilität für die Spiritualität von Laien verzeichnen, die bis in die Gegenwart in Texten, Musik und bildender Kunst reichen Ausdruck findet („iconic turn“) und bisher noch kaum untersucht wurde.

 

Angewandte Forschung: Geistliche Begleitung:

Das Christentum lebt von authentischer Glaubensvermittlung. Im derzeitigen Diskurs um eine erfahrungsbezogene Vermittlung rückt zunehmend das Thema der „Geistlichen Begleitung“ ins Blickfeld, wozu die Theologie der Spiritualität einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Besonders dieser Bereich ist auf intrafakultäre, interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit ausgerichtet. Schwerpunkte bilden einerseits die Begriffsklärung und andererseits die Prosopografie konkreter geistlicher Väter und Mütter unter Einbeziehung von Erfahrungswerten im Rahmen von Studien, Tagungen, Vorträgen und Vorlesungen.

 

Laufende Projekte

• Theologie der Charismen. Formen religiöser Erkenntnis (Studienausgabe von Quelltexten mit Kommentaren)
• Erstübersetzung eines eucharistischen Doppeltraktates in Zusammenhang mit dem Corpus Eucharisticum.
• Studien zu Caterina von Siena, Patronin Europas (Veröffentlichung 2005)
• Schöpfungsglaube und das Verständnis moderner Naturwissenschaften vom ersten zum zweiten Vatikanischen Konzil (Habilitationsprojekt)
• Latro et Eremita. Eine motivgeschichtliche Studie zu christlichen Außenseiterfiguren als Beitrag zum christlichen Freiheits- und Personalitätsbegriff (Habilitationsprojekt)
• Studien zur Christologie (auslaufendes Lehrbuchprojekt)

 

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Lehre

 

Inhalte und Relevanz der Lehre

 

Dem Fach „Theologie der Spiritualität“ kommt eine hohe akademische, aber auch kirchliche und gesellschaftliche Relevanz zu, weil das Fach von seiner Methodik her auf eine Synthese von geistlichem Leben und theologischem Denken zielt. Die Pflichtlehre geschieht in einem 6-semestrigen Vorlesungszyklus, wobei die Mitwirkung der Studierenden bei der Planung des Lehrangebotes erwünscht ist. Ein inhaltlicher Schwerpunkt weiterführender Lehrangebote liegt auf dem Beitrag christlicher Spiritualität zur europäischen Integration, der Ökumene, des interkulturellen und interreligiösen Dialogs.

 

Organisation der Lehre:


Pflichtlehre:Grundlegende Einführung in die Theologie der Spiritualität mit 2 Wochenstunden im 1. Studienabschnitt. Unterstützung des Lernprozesses durch e-Learning
Wahlfach: Differenzierte Einzelthemen für Studierende im Fach Theologie mit fächerübergreifender Perspektive
Freies Wahlfach (mit Blick auf einen Wahlfachkorb): Angebot für alle Studierenden der Universität unter der Leitidee des interfakultären Diskurses – als Beitrag des Instituts zur Entwicklung der ganzen Universität
Spezialisierung und Vertiefung: Seminare, Privatissima und Exkursionen – auch mit Blick auf Hörer des ersten Studienabschnitts – zu zentralen Themenbereichen der spirituellen Theologie (Lektüreseminare zu Mystik, Ordensleben, Leben aus dem Geist des Evangeliums, Respiritualisierung etc.)

 

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