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Sozialethikerin für Brückenschlag Menschenrechte - Religion
Prof. Gabriel: "Kein Kampf der Religionen gegen die Moderne, sondern
ein Kampf innerhalb der Religionsgemeinschaften um die Moderne"
Wien, 21.01.12 (KAP) Die globale Gültigkeit der Menschenrechte könne
nur dann voranschreiten, wenn der Brückenschlag zwischen
Menschenrechten und Religion gelingt. Das hat die Wiener
Sozialethikerin Prof. Ingeborg Gabriel betont. Sie äußerte sich im
Rahmen eines Vortrags im Wiener Juridicum. Die katholische Kirche
habe hier beginnend mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65)
und der Anerkennung der Religionsfreiheit bzw. dem Bekenntnis zur
UN-Menschenrechtserklärung ihre Hausaufgaben fürs Erste gemacht,
andere Konfessionen und Religionen stünden hingegen noch vor
Herausforderungen, so Gabriel, die konkret die orthodoxen Kirchen
und den Islam ansprach.
Aus den Reihen der Kirchen und Religionen würden eine Reihe von
Anfragen an die Menschenrechte gestellt, so Gabriel: Werde in den
Menschenrechten nicht in ungebührlicher Weise einem Individualismus
Rechnung getragen, "der westlicher Provenienz ist und dem das
Gemeinschaftsdenken der Religionen gegenübersteht"? Könnten auch aus
religiöser Sicht Rechte vor Pflichten gereiht werden? Schließlich
die Frage, ob aus religiöser Sicht ein säkularer - nur auf
Menschenrechten basierender Staat - überhaupt zu verantworten sei.
Prof. Gabriel machte in diesem Zusammenhang auf das Problem der
Begrifflichkeiten aufmerksam. So würde etwa die wörtliche
Übersetzung von "säkular" ins Arabische "gottlos" bedeuten. Aus
diesem Grund gebe sie dem Begriff "ziviler Staat" den Vorzug.
Die Bruchlinien zwischen Anerkennung und Distanz zu den
Menschenrechten würden innerhalb der Religionsgemeinschaften
verlaufen. Es sei also nicht "der Kampf der Religionen gegen die
Moderne, sondern vielmehr ein Kampf innerhalb der
Religionsgemeinschaften um die Moderne", zeigte sich Gabriel
überzeugt.
Umdenken muss "von innen" kommen
Ein Hindernis für die globale Durchsetzung der Menschenrechte seien
auch "antiwestliche Affekte", so die Sozialethikerin weiter. Nach
mehr als 200 Jahren westlicher Dominanz über fast alle Teile der
Welt seien die Errungenschaften der westlichen Moderne mit dem Makel
des Imperialismus behaftet. Dazu zählten auch die Menschenrechte.
Deshalb sei es von besonderer Bedeutung, dass ein Umdenken bezüglich
der Menschenrechte jeweils "von innen komme", wie es etwa im Bereich
der arabischen Revolutionen der Fall sei.
Konfliktpotenzial bezüglich der Menschenrechte gebe es aber auch bei
aktuellen Themen wie gleichgeschlechtliche Partnerschaften,
Abtreibung und Euthanasie, so Gabriel. Das seien aber keine Themen
der ursprünglichen Menschenrechtsdeklaration gewesen, es gebe
diesbezüglich keine verfestigte Menschenrechtsstandards.
Die Sozialethikerin plädierte deshalb für einen allgemein
anerkannten Kern von Menschenrechten, sowie für einen
"differenzierten Konsens", "wo eben nicht alle Positionen in
Übereinstimmung gebracht werden können".
Zu der Veranstaltung mit dem Titel "Religion und Menschenrechte -
Kann ein Brückenschlag gelingen?" im Wiener Juridicum hatte die
österreichische Gesellschaft für Kirchenrecht geladen.
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