Wednesday 16. May 2012
Katholisch-Theologische Fakultät
Institut für Kanonisches Recht

 

 

 

Am 24. und 25. Oktober 2011 fand im Stift Heiligenkreuz eine Theologisch-kirchenrechtliche Tagung zum Thema "Katholische Fakultäten zwischen Autonomie der Universität und kirchlicher Bindung" statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tagung wurde in Zusammenarbeit zwischen der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, dem Institut für Kanonisches Recht der Universität Wien und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz durchgeführt und war sehr hochrangig besetzt.

 

 

 

 

Tagungsbericht

 

 

„Katholisch-Theologische Fakultäten zwischen 'Autonomie' der Universität
und kirchlicher Bindung“.

 

 

 

Am 24. und 25. Oktober 2011 fand im Zisterzienserstift Heiligenkreuz eine theologisch-kirchenrechtliche Tagung zum Thema "Katholisch-Theologische Fakultäten zwischen 'Autonomie' der Universität und kirchlicher Bindung" statt. Ein erstes bemerkenswertes Faktum und Novum war, dass die Tagung in Zusammenarbeit zwischen der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, dem Institut für Kanonisches Recht der Universität Wien und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz durchgeführt wurde.

 

Die Tagung war sehr hochrangig besetzt: So referierte zu Beginn der Tagung S. Em. Christoph Kardinal Schönborn neben drei weiteren Bischöfen. Die römische Bildungskongregation war schon in der Vorbereitung und auf der Tagung selbst durch P. Dr. Friedrich Bechina FSO involviert; S. Em. Zenon Kardinal Grocholewski schickte ein Grußwort. Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung war durch Bundesminister Karlheinz
Töchterle und zwei weitere hochrangige Vertreter repräsentiert. Die katholisch-theologischen Fakultäten Wien, Graz, Salzburg und Linz waren durch ihre Dekane, die Philosophisch-Theologischen Hochschulen St. Pölten, Heiligenkreuz und International Theological Institute Trumau durch den Magnus Cancellarius bzw. die Rektoren vertreten. Von der Universität Wien wirkten der stellvertretende Vorsitzende des Universitätsrates Wien Prof. Dr. Reinhold Grimm, der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Univ.-Prof. Dr. Martin Jäggle, die Professoren Gabriel, Müller, Prügl, Schlosser, Appel, Potz, Weismayer und Perthold-Stoitzner bei der Tagung mit. Gut repräsentiert war natürlich auch die Phil.-Theol. Hochschule Heiligenkreuz als Mitveranstalterin der Tagung.

 

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete in seinem Referat die Theologie als einen „integralen Bestandteil der Universität“ - ihre Präsenz an staatlichen Universitäten sei „nicht in Frage zu stellen“.

 

Christoph Kardinal Schönborn betonte, dass es zwischen „Kirchlichkeit und Wissenschaft“ keinen Widerspruch gebe. Von staatlicher Seite sei es wichtig zu erkennen, welchen wichtigen
Beitrag die Theologie im „Konzert der universitären Disziplinen“ leiste. Diesen Gedanken griff auch der Prof. für Romanistik in Jena und stellvertretende Vorsitzende des Universitätsrates in Wien Reinhold Grimm auf. Er gab  in seinem Schlussvortrag zu bedenken, dass der institutionelle Niedergang mancher Universitätstheologie mit dem Zusammenbruch der einen oder anderen Universität zusammenhänge und es aber andererseits ohne Universität eine bestimmte Art von Theologie nicht gäbe. Zur Autonomie der universitären Theologie gehöre demnach auch ein gesundes Spannungsverhältnis zu ihren Referenzkirchen. Die Wichtigkeit eines intensiven Dialogs zwischen dem kirchlichen Lehramt und den Lehrenden an den Theologischen Fakultäten zeigte der Münsteraner Weihbischof Christoph Hegge auf. Dabei müsse man sich immer wieder neu bewusst machen, dass sowohl Lehrende als auch das kirchliche Lehramt „im gleichen Auftrag und in der gleichen Sendung” tätig seien.

 

Die Wiener Sozialethikerin und Vizedekanin Ingeborg Gabriel skizzierte in einer Wortmeldung, dass Wissenschaft sich auf Suche nach der Wahrheit beziehe und nicht die Wahrheit selbst sei. Wo ein positivistisches Wahrheitsverständnis bestehe, sei Wissenschaft unmöglich - dort, wo relativistische Skepsis herrsche, aber ebenso wenig. Theologie verwandle die Welt dahin,
dass sie transzendent werde auf die Wirklichkeit Gottes, meinte der Wiener Fundamentaltheologe Kurt Appel. Kreativität vollziehe sich gerade nicht an der Welt vorbei, sondern verwandle sie im Innersten und führe sie zu einem neuen Exodus.

 

Marianne Schlosser, Professorin für Spiritualität an der Universität Wien, stellte in ihrem Referat unter anderem explizit die Frage, ob es eine gewisse „Scham der Theologie“ gebe, die die Kirchenbindung als wissenschaftsfremdes Element erfahre. Sie verwies dabei auf die Autobiographie Romano Guardinis, der meinte, dass seine Lehrer das Dogma eher als Fessel denn als Quelle erfahren hätten. Mit einem Zitat von Ratzinger kam sie allerdings zum Schluss, dass Kirche ohne Theologie verarme und erblinde und Theologie ohne Kirche sich ins Beliebige auflöse. So betonte auch der Studiendekan der lutherischen Gemeindefakultät „MF Oslo“ Øystein Lund, dass eine gesunde Beziehung zur kirchlichen Tradition und positive Sicht der Kirche unerlässlich seien, für eine gute „Hauskultur“ einer theologischen Fakultät.

 

Dass für die heutige Universität ein Blick in die eigene Geschichte anregend und inspirierend sein kann, zeigte der Wiener Kirchengeschichtler Thomas Prügl: Er skizzierte unter anderem das Standesethos des mittelalterlichen Universitätsgelehrten, das auch jenseits des rein akademischen Bereichs gelebt wurde. Dabei ging man von einer vernünftigen, von Gott geschaffenen Weltordnung aus, vom Glauben an den Menschen als Ebenbild Gottes, dem Wissen um Begrenztheit des menschlichen Intellekts, das zugleich Motor für wissenschaftliche Kritik war, von Bescheidenheit, Ehrfurcht, Selbstkritik, von gültigen Regeln der Argumentation und der Ehrfurcht vor überliefertem Wissen (Bildung ist kumulativ).

 

Der Wiener Kirchenrechtler Ludger Müller zeigte in seinem Referat konkrete Spannungsverhältnisse auf, die sich aus der Autonomie der Universität und der kirchlicher Bindung der katholischen Fakultäten ergeben. Pertholt-Stoitzner, Assistenz-Professorin am Institut für Öffentliches Recht in Wien wies dagegen auf die verfassungsrechtliche Problematik der kirchlichen Bindung katholischer Fakultäten hin: So sei wissenschaftliche Freiheit unter dem Eindruck des Damoklesschwert einer möglichen Entlassung nur schwer möglich. P. Friedrich Bechina von der römischen Bildungskongregation machte jedoch in einer Stellungnahme dazu deutlich, dass kein System ohne autoritative Sicherung seiner Grundprinzipien auskomme, so wie der Staat ja auch einen Verfassungsschutz brauche. Die Frage im Fall der Theologie sei aber, wem diese Aufgabe zukomme – dem Staat oder der Kirche? Burkhard van Schewick von der Deutschen Bischofskonferenz verwies dabei auf ein höchstrichterliches Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts (1 BvR 462/06), das diese Streitfrage eindeutig zugunsten der evangelisch-lutherischen Landeskirche entschieden hatte.

 

Die Stärke dieser Tagung lag vor allem in ihrer institutionsübergreifenden Vorbereitung und Durchführung, wodurch eine hohe wissenschaftliche Qualität und Zielorientiertheit erreicht
werden konnte. Eine immer wieder schon während der Tagung formulierte Einsicht und Frucht der zwei Tage war, dass einerseits gesunde „Konkurrenz belebend“ wirken kann, wie es S. Em. Christoph Kardinal Schönborn formulierte, aber auch andererseits die Zukunft der wissenschaftlichen theologischen Auseinandersetzung wohl vor allem durch gegenseitige Kooperation und Austausch der verschiedenen katholischen Universitäts- und Hochschuleinrichtungen untereinander qualitativ hochwertig und fruchtbar aufrechterhalten werden kann. Das Stichwort - vor allem für die kleineren Einrichtungen in der Hochschul- und Fakultätslandschaft - lautet in diesem Zusammenhang „Profilbildung“.

 

Insgesamt boten die Referate und Wortmeldungen der zwei Tage viele Anregungen und sicher auch Gesprächsstoff für die Zukunft. Im Zuge der Aufarbeitung der Ergebnisse der Tagung wird ein Tagungsband veröffentlicht werden.

 

 

einige Medienberichte:

 

Die Tagespost

Kathpress

Der Sonntag

 

 

 

 

Programm

 

 

Wir danken allen Teilnehmern/innen für Ihr Kommen!

 

 

Bilder von der Tagung:

 

 

 

 

S. Em. Christoph Kardinal Schönborn mit einleitenden Worten zum Tagungsthema

 

 

Bundesminister o.Univ.Prof.Dr. Karlheinz Töchterle bei seinem Referat

 

 

P. Dr. Friedrich Bechina FSO bei einer Wortmeldung

 

 

 

mehr Bilder

 

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