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11.09.2016
 

Forschungskolloquium

Freitag, 18.11.2016 bis Samstag, 19.11.2016

Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät, Universitätsring 1, 1010 Wien

 

Der Forschungsschwerpunkt hat zum Ziel, die spirituelle sowie die mystische Dimension von Glaube, Religion und Theologie in den beteiligten Fachdisziplinen praktisch und theoretisch zu erschließen, zu vertiefen und ggf. einzubringen. Wir gehen davon aus, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Spiritualität und Mystik wesentliche Impulse für die programmatische Weiterentwicklung der beteiligten Fächer (sowie der Theologie insgesamt) birgt und zugleich eine zeitgerechte Antwort auf die Transformationsprozesse von Glaube und Religion in den (westlichen) Gesellschaften Europas (Stichwort: Suche nach Spiritualität und Mystik) sein kann.

Konkret bedeutet dies im Hinblick auf die am Projekt beteiligten Fächer und Personen: 

  • Bibelwissenschaft: Im hermeneutisch und methodologisch reflektierten Rückgriff auf das geistige Schriftverständnis und im Kontext moderner Formen kontemplativer Praxis werden Selbstverständnis und Methodenrepertoire der Bibelwissenschaft durch Integration von erklärender und verstehender Textauslegung weiterentwickelt. Dazu wurde ein Forschungsprojekt (FWF) zum Kohelet-Kommentar des Hieronymus durchgeführt (abgeschlossen Februar 2013, Mitarbeiterin: Dr. Elisabeth Birnbaum). Die Ergebnisse werden 2014 in den Wissenschaftsverlagen Peeters, Leuven (Reihe: BETL) und de Gruyter, Berlin publiziert (beide peer-reviewed). Eine Fachtagung dazu fand im November 2012 statt.
  • Religionswissenschaft: In Religionen, die einem Textcorpus (sog. „heiligen Schriften“) zentrale Bedeutung für ihre Identität beimessen, besteht ein Spannungsfeld zwischen den Texten, ihrer Auslegung und den religiösen Erfahrungen ihrer Mitglieder. Durch die Einbettung der Lektüre in rituelle Vollzüge und die Verbindung der Interpretationspraxis mit bestimmten Formen religiöser Übung wird beides miteinander verkoppelt. Andererseits entstehen Expertenkulturen und -institutionen, in denen der Umgang mit den Texten in der Art eines wissenschaftlichen Diskurses gepflegt wird. Die Differenz zwischen religiöser und wissenschaftlicher Auslegung erzeugt neue Auseinandersetzungen und Vermittlungsversuche. Im zeitgenössischen spirituellen Feld ergeben sich zudem neue Konstellationen zwischen Text und Mystik, da einerseits die Kenntnis religiöser Literatur aus verschiedenen Traditionen sprunghaft wächst, andererseits die Bindung an eine bestimmte Religion und ihr Schrifttum abnimmt. In den verschiedenen spirituellen Bewegungen und Schulen wird das Verhältnis von Schrift und religiöser Erfahrung neu bestimmt. Die Religionswissenschaft untersucht die angesprochenen Bereiche aus historischer wie auch aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive.
  • Praktische Theologie: Die in (post-)modernen Gesellschaften zu beobachtende Transformation von Glaube und Religion – u. a. im Zeichen von spirituellen Such-, Experimentier- und Wanderbewegungen innerhalb und vor allem außerhalb der Kirche(n) – verlangt nach einer praktisch-theologischen Hermeneutik dieser Entwicklungen sowie nach neuen Wegen in der Pastoral. Neben neuen und eigenständigen Formen spiritueller Praxis, deren Bedeutung für Theologie und Kirche zu erforschen ist, zeigen sich im Bereich mystischer Erfahrungen Anschlussmöglichkeiten mit der christlichen Tradition. Diese Entwicklungen gilt es – unter anderem mit empirischen Methoden – wahrzunehmen, im interdisziplinären theologischen Diskurs zu reflektieren und für die Pastoral zu erschließen. Ausgangspunkt ist dabei die These, dass die Vertiefung von Spiritualität und die Förderung von Praxisformen, die mystische Erfahrung eröffnen können, eine wesentliche Rolle bei der Transformation der Kirche(n) spielen.